Christa Bauch, die erfolgreichste deutsche Bodybuilderin, die am Beginn der Neunziger Jahre eine wundervolle Karriere startete, sagt uns ein weng mehr über sich in diesem Interview das im Februar 2001 duchgeführt wurde.

FREYA : Wo lebst du momentan Christa?

Christa : Ich lebe seit ca. 26 Jahren in Baden-Württemberg, in einem kleinem Ort namens Waghäusel-Wiesental. Das wird wohl kaum einer kennen, es sei denn, er ist Ringer-Fan. Wiesental war schon mal Deutscher Meister im Ringen! Ich bin Mitglied im KSV (Kraftsportverein), komme aber leider nur selten dazu, unsere Sportler bei Wettkämpfen auf der Matte anzufeuern.

F : Seit wann trainierst du?

C : Ich trainiere seit Juni 1985

F : Was war Deine Inspiration um mit dem Bodybuilding anzufangen?

C : Von Bodybuilding wußte ich überhaupt nichts als ich das erste Mal ein Gym betrat. Der Grund dafür waren Figurprobleme - wie sie wohl fast jede Frau hat. Ich hatte Cellulite an den Oberschenkeln und einen wabbligen Po. Und das änderte sich auch nicht durch Gewichtsverlust (ich hatte mir ein paar Kilo abgehungert!). Deshalb beschloß ich, es einmal mit Aerobic und Fitnesstraining zu versuchen.
Bei meinem ersten Besuch im Gym schaute der Trainer auf meine Bizeps und fragte gleich, wie lange ich schon trainieren würde. Das hat mich etwas irretiert, denn ich hatte ja noch nie im Leben zuvor eine Hantel gesehen und wollte ja nur etwas für meine Beine tun. Und das sagte ich ihm auch. Er meinte, ich hätte viel bessere Bizeps als die, die er am Wochenende beim Wettkampf gesehen hätte.
Er sah wohl gleich, daß ich gute genetische Vorraussetzungen für den Wettkampfsport hatte.

Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an meine Wettkampfzeit, die kann man gar nicht alle einzeln aufzählen"

F : Hast Du gleich an die Teilnahme an Wettkämpfen gedacht?

C : Nein, an Wettkampf habe ich überhaupt nicht gedacht. Ich wollte nur eine tolle Figur haben. Allerdings habe ich sehr schnell Veränderungen an meinem Körper erfahren ( ich habe gleich 5-6mal die Woche trainiert), sodaß ich mich nach 5-monatigem Training schon zu einem Wettkampf habe überreden lassen. Es war der Internationale Schwabenlandpokal in Schwäbisch-Gmünd. Der 2.Platz war die Motivation für weitere Wettkämpfe.

F : Du bist ein Vorbild für jede Frau die in einem gewissen Alter noch sehr fit aussehen will. Was würdest Du einer Frau raten, die mit diesem Sport beginnt?

C : Grundsätzlich kann man jeder Frau in jedem Alter zu diesem Sport raten. Anfangen kann man jederzeit. Es muß ja kein Wettkampfsport daraus werden, das wollen die meisten sowieso nicht.
Wenn man seine Muskulatur trainiert und somit kräftigt, beugt man z.B. Rückenbeschwerden aller Art vor. In jedem Gym gibt es viele Möglichkeiten für aerobes Training - kombiniert mit dem Krafttraining ist es ideal. Dadurch wird das Herz-Kreislaufsystem stabilisiert - was sehr wichtig ist. Also - man tut aktiv etwas für seine Gesundheit! Nur wenn man gesund ist kann man das Leben geniessen!
Und so nach und nach zeigt das Spiegelbild den Erfolg dieser Bemühungen optisch.

F : Was hast Du von Deiner erfolgreichen Karriere behalten? Was wird Deine beste Erinnerung sein?

C : Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an meine Wettkampfzeit, die kann man gar nicht alle einzeln aufzählen. Das ging auch nach den Wettkämpfen weiter. Da ich mein Training beibehalten habe und somit auch meinen "Body" - erhielt ich Angebote wie Videoproduktionen und Photosessions, habe in Laurie Fierstein's Shows in New York mitgemacht und ein Kunstprojekt (artvideo) auf Isle of Men mit dem amerikanischen Künstler Matthew Barney. Davon gab es eine Fotoausstellung im Guggenheim -Museum in New York.
Letztes Jahr hatte ich mit noch 11 weiteren FBB's einen Auftritt im New Museum of Contemporary Art in New York. Dort gab es eine entsprechende Ausstellung - Picturing the Modern Amazon.
Ja, Du merkst schon, New York war oft das Ziel meiner Reise und ich muß sagen, daß ich diese Stadt vom ersten Augenblick an liebte. Durch die vielen Besuche hat sich alles nur noch gefestigt, denn ich habe liebe Freunde dort gefunden.

F : Was hast Du im Bodybuilding gefunden was Dein Leben Dir soweit nicht bringen konnte?

C : Wahrscheinlich wäre ich nie - oder zumindest nicht so oft - in die USA gekommen ohne "mein Bodybuilding". Ich habe sehr viel sehen und erleben dürfen, ob an der Ostküste oder Westküste oder im Süden des Landes. All die wunderschönen Bilder sind für immer in meinem Gehirn gespeichert - oder für triste Tage, an denen ich sie wieder hervorkrame...
Aber das wichtigste wohl am BB war für mich, daß ich dadurch gelernt habe, zu meinem Typ zu stehen.
Bis zu diesem Zeitpunkt war ich nämlich unzufrieden mit meinem Körper. Zeitweise hatte ich richtige Komplexe und mein Selbstwertgefühl war gleich Null. Im Sommer bin ich nie im Top rumgelaufen. Warum? Arme und Beine waren kräftig und an der Oberweite hat's gefehlt. Ich wollte so einen Busen wie die Titelmädchen auf den Illustrierten. Durch Diäten habe ich meine Figur nicht in diese Richtung verändern können - viel Essen klappt auch nicht, denn die Fettpolster gehen nicht an die gewünschten Stellen.
Ich bin ein ganz anderer Typ als die auf den Titelblättern der verschiedenen Illustrierten, ich bin ein athletischer Typ. Und der hat nun mal nicht viel Körperfett und auch nicht an dieser bestimmten Stelle. Das mußte ich einfach so sehen und akzeptieren.UND das beste daraus machen: "BODYBUILDING".
Im Dezember 1993 schmückte ein Bild von mir das Titelblatt des amerikanischen BB Magazins "Women's Physique World"!.

F : Was hast Du in den nächsten Jahren vor?

C : Wettkämpfe werde ich keine mehr machen. Mein letzter war 1995 in Virginia, die "Jan Tana Classic". Ich verabschiedete mich bei diesem Profikampf mit dem 5.Platz.
Nach wie vor wird BB in meinem Leben integriert sein - das heisst, 4 mal wöchentlich trainiere ich. So oft wie möglich versuche ich aerobes Training zusätzlich zu machen. Ich möchte so lange wie möglich meine Muskelmasse behalten, lege aber jetzt mehr Wert auf meine Gesundheit. Ins Extreme, also ganz schwere Gewichte, gehe ich nicht mehr.
Leistungssport ist kein Gesundheitssport. Und ich will noch lange Freude am "Eisen" haben.

Grundsätzlich kann man jeder Frau in jedem Alter zu diesem Sport raten

Christa Bauch



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